Hallo Ihr Lieben,
Mein Zähler sagt "229 Tage rauchfrei".
Ich musste gerade erst mal gucken, weil ich keine Tage mehr zähle.
Um ehrlich zu sein, ich habe ein paar Tage überlegt, was ich mache, ob ich hier wieder schreibe, ob ich euch berichten kann, was in den letzten Wochen passiert ist und wie es mir ergangen ist.
Da das schreiben hier aber immer eine Art Tagebuch schreiben für mich war und gut,um meine Gedanken zu sortieren, habe ich mich letztlich dafür entschieden und hier bin ich.
In der letzten Zeit war es nicht besonders einfach für mich.
Ich war überarbeitet, gestresst und genervt von so ziemlich allem.
Hab viel mit mir gehadert und ich war psychisch nicht gut drauf.
Das ging über mehrere Monate, dass ich sehr viel mit mir gekämpft hatte, mein Gedankenkarusell hat mich verrückt gemacht, weil ich viel über das Leben nachgedacht habe und über die Zukunft und wie es weitergeht und was noch kommt und darüber was ich ändern kann und will.
Bis ich eines Tages im Internet etwas über die midlife crisis gelesen habe und voller Erstaunen feststellen musste,dass die über MICH schreiben. All die Fragen, all die Zweifel, die depressiven Momente- genauso ging es mir und da die große 4-0 mich im August erwartet, ergab das alles Sinn.
Und dann hörte ich einen Podcast über Krisen und was man tun kann und musste am Ende nur noch heulen. Das war der Tiefpunkt.
Ich rettete mich irgendwie über die Woche, um mich schließlich einen ganzen Samstag auszuklinken und mich nur mit mir zu beschäftigen (ein kleiner Tipp am Rande:wenn man mal nicht weiter weiß, ein vision Board wirkt wahre Wunder :D)
Das hat mir geholfen, ich konnte mir über viele Dinge klar werden oder zumindest für mich eine Übersicht schaffen.
Zum Beispiel habe ich über ein Jahr versucht,mir eine Morgenroutine "anzutrainieren" mit Mediation, Yoga, Dankbarkeitstagebuch usw. Irgendwie hat es nie richtig geklappt. Abends ging das, aber morgens wollte es nicht so funktionieren.
Ich hab erstmal erkannt, was für einen unglaublichen Stress ich mir selbst damit gemacht habe. Ich hatte irgendwo gelesen, dass so eine morgenroutine einen besser in den Tag starten lässt.
Dadurch, dass es bei mir aber nicht so funktioniert hat,hat es genau das Gegenteil bewirkt: ich war zunehmend frustriert und enttäuscht von mir selbst.
Bis ich aufgehört habe. Bis ich mir selbst "erlaubt" habe, aufzuhören, etwas sein zu wollen, was ich nicht bin oder anders ausgedrückt, was "nicht zu mir passt " (vielleicht zur Zeit nicht,vielleicht auch nie).
Von da an ging es mir besser.
Manche werden sich nun fragen, warum ich das erzähle.
Was hat das mit dem Rauchen zu tun?
Ich finde,es hat sehr sehr viel damit zu tun.
Es ist doch wie mit allem anderen auch. Mit dem abnehmen und bestimmten Diäten, mit dem Job, mit der eigenen Lebensweise, mit der sexuellen Orientierung, mit dem eigenen Denken,mit dem Umgang mit anderen, einfach mit allem.
Solange ich Dinge mache, die nicht zu mir passen, werde ich es nie schaffen und vor allem nie glücklich und zufrieden sein.
Ich sage nicht,dass man es gar nicht erst versuchen sollte.
Das sollte man wahrscheinlich schon tun,aber wenn man irgendwann feststellt, das haut einfach nicht hin,das macht mich nur fertig und frustriert mich,dann sollte man sich die Erlaubnis geben, aufzuhören mit dem Versuch.
Vielleicht ist es der falsche Zeitpunkt, vielleicht klappt es nach einer Pause, vielleicht klappts auch nie.
Ich glaube inzwischen, dass ich mir in vielen Dingen zu viel Stress gemacht habe, auch mit dem Rauchen.
Jeder kennt das doch, wenn andere zu einem sagen, dass man doch besser aufhören sollte.
Solange man es nicht selbst will und wirklich bereit dazu ist,wird das eh nix.
Oder auch die Art, aufzuhören, muss jeder für sich selbst finden. Meine Frau z.b. kann reduzieren. Das klappt bei mir überhaupt nicht. Wir sind halt unterschiedlich.
Nun war ich vergangene Woche im Urlaub in Dänemark und alles war schön und ich hatte eine tolle Zeit und konnte mich mal wieder "erden ".
Urlaub! Angst rückfällig zu werden....so gemütlich, so entspannt, jetzt eine Zigarette, wäre das schön...
Komischerweise wollte ich keine rauchen.
Wir hatten auch eine E- Zigarette dabei (weil meine Frau so langsam auch von den "normalen" Zigaretten weg kommen will).
Ich hab es getan und ich dampfe noch immer.
Ich weiß was Ihr denkt. Manche mögen es als Rückfall ansehen. Das durfte ich mir von meiner rauchenden Arbeitskollegin dann auch anhören.
Aber für MICH (und letztlich geht's ja um mich) ist es kein Rückfall.
Sicherlich,das ist mir schon auch bewusst, dass die e-zigarette nicht unschädlich ist (wobei ich Liquid ohne Nikotin inzwischen nutze), dennoch fühle ich mich nicht so,als hätte ich versagt.
Ich habe keine Zigarette geraucht. Das ist für mich ein Erfolg. Das wollte ich nicht mehr.ich wollte den Gestank nicht mehr und auch die Kosten nicht mehr.
Und ich habe auch kein Verlangen nach einer richtigen Zigarette.
Wie gesagt, viele werden das anders sehen, aber es muss weder für meine Arbeitskollegin passen, noch für meine Eltern, oder meine Frau oder meine Freunde oder Bekannte.
Es muss für MICH passen. Und das tut es zur Zeit. Vielleicht lasse ich es in einem halben Jahr auch wieder ganz bleiben.
Worauf will ich also hinaus?
Macht euch keinen Stress. Macht es so, wie es für EUCH passt und wie IHR euch wohl fühlt.
In diesem Sinne wünsche ich allen Aufhörwilligen viel Kraft und aber auch die Weitsicht, es nicht zu verbissen anzugehen. Das ist für das eigene Wohlergehen nämlich auch eine Art von "Gift".
Liebe Grüße und einen zauberhaften Tag für euch :heart:
Eure Lucy